[Rezension] Bleeding Violet von Dia Reeves

6. Mai 2011 § 2 Kommentare

Originaltitel: Bleeding Violet
Titel: Bleeding Violet. Niemals war Wahnsinn so verführerisch
Autorin: Dia Reeves
Übersetzerin: Zoe Beck
Verlag: Bastei Lübbe (Baumhaus)
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 11. Januar 2011
Preis: Hardcover: 14,99 Euro

>> Leseprobe <<

Klappentext

Nach dem Tod ihres Vaters trampt die 16-jährige Hanna in die texanische Kleinstadt Portero. Sie will zu ihrer Mutter, die sie gar nicht kennt. Doch ein herzlicher Empfang ist es nicht, der sie dort erwartet, und auch das Städtchen ist keineswegs so idyllisch und harmlos wie es zunächst scheint – hier hört nicht nur Hanna Stimmen! Und dann stellen der attraktive Wyatt und unheimliche Ereignisse sogar ihre abgedrehte Welt auf den Kopf.

Leitmotive

Wahnsinn, Extravaganz, psychische Labilität, Halluzinationen, Monster, Familie, Kleinstadt

Location

Portero, Texas

Plot

Nachdem ihr finnischer Vater gestorben ist, macht sich Hanna Järvinen auf den Weg zu ihrer Mutter. Ein paar Monate hat sie es mit ihrer Tante Ulla ausgehalten. Nach einem Streit, der nicht ganz folgenlos an Ulla vorbeigezogen ist, packt sie entgültig ihre Koffer. Doch genauso ungewollt wie sie bei ihrer Tante gewohnt hat, wird sie bei Rosalee. Nur dank eines Deals, den die beiden ausmachen und der besagt, dass Hanna sich eingewöhnen und Freunde finden muss, kann Hanna die Abschiedung zwei Wochen lang hinauszögern.

Auch wenn Hanna Halluzinationen gewöhnt ist, sind die Geschehnisse, die in der Kleinstadt Portero andauernd stattfinden, keinesfalls nur Einbildung. Als Leser ist es nicht allzu schwer zwischen echt und unecht zu unterscheiden, wenn man nur aufmerksam liest.

„Achte nicht auf die Dinger am Fenster.“

„Dinger?“

„Dinger, Hanna“, sagte Ms Harrison ernst. „Hungrige Dinger.“

Als Hanna Wyatt in einer bizarren Angelegenheit im Sekretariat zur Hilfe kommt, steht sie plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dann verliebt sie sich auch noch in Wyatt…

Sollte ich noch einmal in einer Rezension lesen, dass der Autor mit Themen wie Gewalt und Sexualität offen umgeht und sie nicht umschreibt, werde ich diese Aussage ernster nehmen. Bleeding Violet beinhaltet Sex- und Kampfszenen, beschäftigt sich mit Nacktheit und Blut sowie Gedrmen. Zwar bin ich grenzenlos begeistert von Reeves scheinbar unendlichen Fantasie, doch waren die Geschehnisse von Anfang bis Ende einfach unrealistisch. Hanna ist andauernd von oben bis unten mit Blut besudelt, und das scheint ihr nichts auszumachen. Genauso wenig berührt es sie, wenn sie andere Menschen niederschlägt oder ihnen Körperteile abtrennt. An manchen Stellen würde ich Bleeding Violet als harmlosere Version des US-Amerikanischen Thrillers Saw einordnen. Trotzdem wird Dia Reeves Roman jeder glücklich, der nach etwas Neuem verlangt.

Ich griff nach Ashers strampelnden Beinen und schälte ein beachtliches Stück haariger weißer Haut von seiner Wade. (s.185)

Ich wand mich nun ganz aus der Königin raus. Von oben bis unten war ich mit Blut und Gedärmen bedeckt. (s.176)

Wyatt zog den Reißverschluss seiner Hose zu. Er grinste, schwitze, glühte neben mir auf dem Ledersitz. „Sollte es ja auch nicht“, sagte er. „Nachmittage und Rücksitze sind etwas für Quickies. Das weiß doch jeder.“ (s.216)

Spannungsaufbau und unerwartete Wendungen finden sich ab der ersten Hälfte des Buches zu genüge.

Charaktere

Hanna Järvinen

Die Protagonistin Hanna Järvinen ist 16 Jahre alt. Sie ist halb Amerikanerin und halb Finnin. Außerdem muss sie regelmäßig Pillen und Tabletten einnehmen, da sie psychisch krank ist. Sie redet mit ihrem toten Vater Joosef, d.h. sie hört seine Stimme und halluziniert, falls sie ihre Medikamente nicht intus hat. Sie ist gewöhnungsbedürftig und wird nicht jedem symphatisch sein. Würde ich sie aus meinem Bekannten- oder Freundeskreis kennen, würde ich sie als anstrengend beschreiben. Was sie so realistisch machte war, dass sie sich ihrer Krankheit und den Halluzinationen durchaus bewusst war, sie aber trotzdem mitmachte. Sie schien gar nicht allzu wirr im Kopf zu sein.

Meinte sie das ernst? Meine Eltern hatten unterschiedliche Hautfarben, und ich hatte in zwei unterschiedlichen Kulturen gelebt. Ich war die reinste Werbeanzeige für Anpassungsfähigkeit.

Hanna ist im wahrsten Sinne des Wortes ein violetter Farbfleck in der schwarz gekleideten Bevölkerung von Portero. An ihrer Schule sehen alle aus wie Anhänger der Gohtik-Szene, stopfen sich rote Ohrstöpsel in die Ohren und halten sich zwanghaft von den Fenstern fern. Zudem stehen überall ganz eigenartige Glasstatuen herum … Dazu kommt, dass sogar die Schulleitung Angst vor den Fenstern hat.

Rosalee Price

Rosalle ist Hannas leibliche Mutter. Gedanklich ist sie aber weit davon entfernt. Sie benimmt sich nicht wie eine Mutter und behandelt Hanna nicht wie eine Tochter. Rosalee ist sehr bekannt in Portero wegen eines bestimmten Ereignisses … Sie kam mir beim Lesen sehr zweigeteilt vor. Einerseits will sie, dass Hanna so schnell wie nur möglich wieder verschwindet, andererseits waren manche Andeutungen eines sorgenvollen Wesens in ihrem Handeln zu erkennen.

Interessant war, dass Rosalee eine Verbindung zu Deutschland (Heidelberg und Hamburg) hat.

Wyatt Ortiga

Wyatt gehört zu den geheimnisvollen Mortmaine, hat einen kleinen Bruder namens Paolo. Seine Eltern heißen Asher und Sera.

Sera sah nicht aus, als sei sie die Mutter von irgendwem. Sie sah eher aus wie die Person, die man anheuert, wenn man seine Mutter umbringen lassen will.

Erzählperspektive

Erzählt wird aus Sicht Hannas in der Ich-Form.

Schreibstil

Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt. Man muss sich zwar daran gewöhnen, aber durch die lockeren und teils zynischen oder sarkastischen Bemerkungen wird die sonst so düstere und geheimnisvolle Welt um die verrückte Hanna etwas bunter.

Zunächst ist anzumerken, dass ich wirklich überrascht war, wie viel Fantasie doch in Reeves‘ Gedanken herumschwirrt. Eine Welt so greifbar und doch unrealistisch zu machen ist bisher keinem so gut gelungen wie ihr. Hanna ist trotz ihrer Krankheit sehr symphatisch und die Handlung ab der ersten Seite spannend.

Dieser multikulturelle Roman mit den vielen Eigenarten in Plot und den Charakteren ist mit keinem anderen zu vergleichen, den ich gelesen habe. Ich weiß nicht einmal genau, worin man ihn einordnen sollte. Mystery? Fatasy? Er ist eben etwas sehr Spezielles, das nicht jedem auf Anhieb zusagen wird. Dieses Buch wird garantiert auf zwei Leserreaktionen stoßen. Die einen werden es als „sinnlos und völlig abgehoben“, die anderen als „grandiosen und abwechslungsreichen Lesespaß“ abstempeln. Ernst nehmen kann man dieses Buch allerdings nicht.

Plot: 4/5
Charaktere: 4/5
Schreibstil: 4/5
Spannung: 5/5
Titel: 5/5
Cover: 5/5
Ende: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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