[Rezension] Cassia & Ky. Die Auswahl von Ally Condie

17. April 2011 § 7 Kommentare

Originaltitel: Matched
Titel: Cassia & Ky. Die Auswahl
Autorin: Ally Condie
Übersetzerin: Stefanie Schäfer
Verlag: Fischer Fjb
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 452
Reihe: 1. Band einer Trilogie
Erscheinungsdatum: Januar 2011
Preis: Hardcover: 16,95 €, eBook 14,99 €

>> Leseprobe <<

Klappentext

Das System sagt, wen du lieben sollst – aber was sagt dein Herz?

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die ein absolut sicheres Leben garantiert. Doch dafür musst du dich den Gesetzen des Systems beugen: den Menschen lieben, der für dich bestimmt wird. Was würdest du tun? Für die wahre Liebe dein Leben riskieren? Für die 17-jährige Cassia ist heute der wichtigste Tag ihres Leben: Sie erfährt, wen sie mit 21 heiraten wird.

Doch das Ergebnis überrascht alle: Xander, Cassias bester Freund, ist als ihr Partner vom System ausgewählt worden. Als jedoch, offenbar wegen eines technischen Defekts, das Bild eines anderen Jungen auf dem feierlich überreichten Microchip auftaucht, wird Cassia misstrauisch. Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll? »Als ich »Cassia & Ky« gelesen habe, spürte ich dieselbe Begeisterung wie bei den »Biss-Romanen«.« Jodi Reamer, die Entdeckerin von Stephenie Meyer

Trailer

Leitmotive

Zukunft, Liebe, Aufstand, Überwachungs

Plot

Als Cassia bei ihrem Paarungsbankett in der Stadthalle plötzlich mit Xander gepaart wird, ist sie begeistert. Xander ist ihr bester Freund und sie weiß alles über ihn. Wer könnte besser zusammen passen? Doch dann erscheint Cassia das Gesicht von Ky, einem Nachbarn, auf dem Bildschirm. Wie kann das sein? Plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, wer für sie bestimmt ist und ob überhaupt über sie bestimmt werden sollte.

Was mir aufgefallen ist, sind die Verhaltensweisen der Zukunftsbevölkerung. Sie haben mich alle an Bree Van De Kamp aus der US-amerikanischen Kultserie Desperate Housewives erinnert; immer bedacht, einen guten, nein, perfekten Eindruck zu machen. Es gibt sogar eine Sperrstunde. Ein totaler Kontrollstaat.

»Cassia!«, mahnt meine Mutter und blickt sich um, um sicherzugehen, dass niemand mich gehört hat. Wir dürfen anderen Bewohnern unserer Straße und unseres Viertels gegenüber nicht überheblich sein. Wir sollen einander eine Stütze sein. Die Ahorn-Siedlung ist für die guten, engen Beziehungen zwischen den Bewohnern bekannt und gilt als vorbildlich.

Ein paar Gedanken habe ich mir aufgrund des nahezu perfekten Menschens gemacht, der durch die geregelte Paarung entsteht. Keine Behinderungen, keine Krankheiten. Anomalien werden aussortiert.

Charaktere

Cassia Maria Reyes

Cassia wohnt in der Ahorn-Siedlung und ist 17 Jahre alt, als sie ihr Paarungsbankett besucht. Sie ist aufgeregt, da sie dort ihren Partner kennenlernt. Auf diesem Bankett, das zufällig genau an ihrem Geburtstag stattfindet, wird ihr Xander zugeteilt, der seit Kindertagen ihr bester Freund ist und schon bei der Hinfahrt mit Cassia über ihre Nervosität geredet hat. Ihr 10-jähriger Bruder Bram durfte aus Altersbeschränkungen nicht mitkommen. Genauso wie zu Cassias Zukünftigem, Xander, konnte ich auch keine Bindung zu Bram aufbauen. Sie blieben mir fremd, was auch daran liegen kann, dass alle Menschen dieser Gesellschaft etwas eintönig und charakterlos zu sein scheinen, weil sie nur Ausführer eines bis ins Detail ausgearbeiteten Zeitplans ihres Lebens sind. Erst nach circa der Hälfte des Buches konnte ich Charakterzüge in manchen der Charakteren erkennen.

Die gewölbte Oberfläche verzerrt meine Züge ein wenig, aber ich kann mich gut erkennen: meine grünen Augen, mein kupferfarben schimmerndes braunes Haar, das in der Spiegelung goldener aussieht, als es in Wirklichkeit ist. Meine gerade kleine Nase, mein Kinn mit der Andeutung eines Grübchens, genau wie bei Großvater. All die äußeren Merkmale, die mich zu Cassia Maria Reyes machen, auf den Tag genau siebzehn Jahre alt.

Mich hat erstaunt, dass Cassia Tabletten schluckt, deren Wirkung sie sich nicht einmal im Klaren ist. Sie hinterfragt kaum und gehorcht einfach. In der Öffentlichkeit darf man nicht rennen und sie schläft mit Elektroden am Kopf – eine fantastische, perfekt aufeinander abgestimmte Welt hat sich Frau Condie da einfallen lassen. Aber diese Welt lässt sich auch gut als grau beschreiben, denn Cassia hat nur ein scheinbar schönes Leben. Alles wird bestimmt und sie muss als Sortiererin irgendwelche Zahlen sortieren. Doch andererseits ist Cassias Leben sehr wohlbehütet. Sie hat fürsorgliche Eltern, einen neckenden Bruder, einen besten Freund, ihre beste Freundin Em und besucht eine Höhere Schule.

Aber Casssia wird sich kurz vor Ende des Buches bewusst, wie eingeschränkt sie leben muss und was sie wirklich will. Das, was in unserer Gesellschaft erlaubt ist, worüber wir uns keine Gedanken machen müssen. Aber was wäre, wenn wir leben müssten wie in Cassias Welt?

Ich möchte mir meine Arbeitsstelle aussuchen. Heiraten, wen ich will. Kuchen zum Frühstück essen und auf einer echten Straße anstatt auf einem Laufband trainieren. Schnell laufen, wann ich es will, und langsamer werden, wann ich es will. Entscheiden, welche Gedichte ich lesen und welche Wörter ich schreiben will. Es gibt so vieles, was ich will! Die Empfindung ist so stark, dass ich wie Wasser, wie ein Fluss des Verlangens bin, der einen See in Form eines Mädchens namens Cassia gebildet hat.
Und am meisten will ich Ky.

Was mir nicht einleuchtete war, dass Cassia gekränkt war, als sie erfuhr, dass Ky nur auf sie aufmerksam geworden war, weil sie ihm von den Funktionären als ideale Partnerin vorgestellt wurde. Wieso war sie aufgebracht, als er ihr das erzählte? Sie hat doch selbst gesagt, dass sie sich nie für Ky interessiert hätte, wenn nicht sein Bild anstatt Xanders erschienen wäre.

Cassias Vater, Abran

Mein Vater arbeitet oft monatelang in den alten Vierteln, die restauriert und als neue Stadtbezirke für die Allgemeinheit erschlossen werden. Dabei untersucht er die Relikte der Gesellschaft, die vor der unseren existiert hat, und zwar vor noch nicht allzu langer Zeit. Im Moment zum Beispiel arbeitet er an einem besonders interessanten Restaurierungsprojekt, einer alten Bibliothek. Er trennt die Gegenstände, die die Gesellschaft für nützlich erklärt hat, von denen, die es nicht sind.

Cassias Mutter, Molly

Aber dann muss ich lachen, denn meine Mutter kann nicht umhin, eine Bemerkung über die Blumen zu machen. Als Mitarbeiterin des Arboretums gehören sie in ihr Ressort.

Aber meine Mutter verstößt niemals gegen die Vorschriften.

Cassias Großvater

Man merkt, dass ihr Großvater Cassia sehr viel bedeutet. Bei ihrem (letzten) Besuch ist sehr offen und humorvoll, trotzdem sein Tod bevorsteht. Auch ist er nicht verwirrt oder senil; er benimmt sich auch nicht wie ein gebrechlicher Mann, sondern sorgt mehr oder weniger für sich selbst und zeigt Eigenständigkeit. Cassias Großvater ermutigt seine Enkelin aus dem Schatten zu treten, etwas zu wagen und nicht über sich bestimmen zu lassen und ängstlich zu sein. Der Brief, ein Geschenk Cassias an ihn an seinem Bankett, überraschte mich. Er war so lieblos dahinkopiert.

Mein Geschenk für Großvater ist ein Brief. Ich bin heute Morgen früh aufgestanden und habe im Brieferstellungsprogramm des Terminals gefühlvolle Worte gesucht, sie ausgeschnitten, zusammengefügt und aneinanderkopiert.

„Morgen wird auch mein Großvater fortgehen“. Das stammt von Cassia selbst, denn sie weiß, dass das Ende des Lebens genauso geplant wird wie die Paarung und die Hochzeit. Niemand wird älter als 80 Jahre, auch ihr Großvater nicht.

Xander Thomas Carrow

Xander ist Cassias bester Freund. Sie haben ihre gesamte Kindheit miteinander verbracht und sollen nun ihr ganzes, restliches Leben miteinander verbringen …

Ky Markham

Ky wurde von Patrick und Aida von Aidas Schwester adoptiert und erscheint fälschlicherweise auf Cassias Bildschirm als ihr Partner. Er wird nicht behandelt, wie alle anderen; er wird benachteiligt. Während mir die anderen Figuren innerhalb der Geschichte anfangs sehr einheitlich und gleich vorkamen, hatte Ky immer etwas eigenes an sich, was ihn von der Masse unterschied, obwohl er sich stets bemüht, durchschnittlich zu sein.

Erzählperspektive

Erzählt wird aus Sicht der Ich-Erzählerin Cassia. Das bietet viele Identifikationsmöglichkeiten.

Schreibstil

Der Schreibstil war sehr passend, aber für meinen Geschmack zu einfach, da die Satzstrukturen sehr simpel gestaltet waren und mir oft kurze Sätze begegnet sind.
Cassias Puderdose, ein Artefakt, behandelte sie wie ein Museumsstück (1940), was auch zum Schreibstil passte. Sehr modern. Begriffe werden verwendet, die in der heutigen Zeit niemand benutzen würde. Alltagskleidung wird zu Zivilkleidung und das Mittagessen zur Nahrungsaufnahme. Abberationen, Annomalien, Funktionäre – ich bin auf viele seltsame Begriffe gestoßen, habe jedoch alle verstanden.

…während der Nahrungsaufnahme in der Schule…

Ich möchte das Kleid nicht ablegen und wieder meine Zivilkleidung anziehen.

Eine beeindruckend gute Dystopie mit einfallsreichem Plot, glaubwürdigen, individuellen Charakteren und liebevollen Eigenarten, die diesen Roman zu einem weltweiten Erfolg gemacht haben. Kein Satz kann dieses Buch nicht besser beschreiben als dieser:

Gott sei Dank hat die Gesellschaft die Dinge, wie immer, unter Kontrolle.

Aber auch dieser ist eine gelungene Umschreibung:

Noch nie zuvor ist eine Gesellschaft der Perfektion so nahe gekommen.

Vieles, was Ally Condie geschrieben hat, war interessant. Die Gedichte, die Ausdrucksweise, etc.

Denn mit jeder Minute, die man mit jemand anderem verbringt, schenkt man ihm einen Teil des eigenen Lebens und nimmt dafür einen Teil von seinem.

Condies fiktionale Welt ist ein gutes Beispiel dafür, was man alles opfern und aufgeben muss, um in vollkommener Sicherheit zu leben. In dieser Welt scheinen Grund- und Menschenrechte keine Geltung zu haben. Kein Recht auf Leben, kein Recht auf die Bestimmung über sich selbst oder den Wohnort, keine Meinungsfreiheit.

Nachdem ich den allerletzten Satz gelesen hatte, war ich enttäuscht, da ich noch lange warten muss, bis der zweite Band übersetzt und veröffentlicht wird und ich weiß, wie es weitergeht.

Plot: 5/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 4/5
Spannung: 4/5
Titel: 4/5
Cover: 5/5
Ende: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Advertisements

Tagged:, , , , , , , ,

§ 7 Antworten auf [Rezension] Cassia & Ky. Die Auswahl von Ally Condie

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan [Rezension] Cassia & Ky. Die Auswahl von Ally Condie auf Literaturressort.

Meta

%d Bloggern gefällt das: