[Rezension] Splitterherz von Bettina Belitz

2. April 2011 § 8 Kommentare

Originaltitel: Splitterherz
Autorin: Bettina Belitz
Coverdesign: Maria-Franziska Löhr
Genre: Fantasy
Verlag: Script 5 Verlag
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 632
Reihe: 1. Band einer Trilogie
Erscheinungsdatum: Januar 2010
Preis: Hardcover: 19,90 €

>> Leseprobe <<

Klappentext (Rückseite)

Etwas hat sich verändert. Ich kann es wittern. Die Luft ist weicher geworden, der Wald grüner, der Nachthimmel schwärzer. Der Mond weint. Eine neue Seele ist da. Sie flattert wie ein gefangener Vogel. Sie ist unruhig, verzweifelt, launisch. Sie ist sanft und wild zugleich. Sie hat feine, spitze Widerhaken. Sie schmeckt köstlich.

Klappentext (Innenseite)

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Leitmotive

Liebe, Umzug, Nachtmahr, Familie

Location

Kaulenfeld, Westerwald

Kaufgrund

Gekauft habe ich mir Splitterherz, da ich nach der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier nach einem vergleichbar gutem Werk gesucht habe. Dazu ist hinzuzufügen, dass die Trilogie von Bettina Belitz keinesfalls zum Genre Jugendbücher gehört, sondern für junge Erwachsene ab 16 Jahren geschrieben und konzipiert wurde. Nachdem ich das letzte Exemplar, das sich in einer der örtlichen Buchhandlungen im Regal versteckte (vorher hatte ich noch zwei weitere danach abgesucht), habe ich auch schon begonnen, es zu lesen. Nach den ersten Kapiteln war ich begeistert. Erstens: vom Schreibstil. Zweitens: von der Protagonistin Ellie. Drittens: von der Covergestaltung (Kompliment an die Designerin Maria-Franziska Löhr). Viertens: vom Titel.

Plot

Ausgerechnet nach Kaulenfeld in den Westerwald zieht es Ellies Eltern. Viel lieber wäre sie bei ihren Freundinnen in Köln geblieben. Schon dort hatte es sie einige Zeit gekostet, sich einzuleben. Doch dann lernt sie unnahbaren und unbeschreiblich arroganten Colin kennen, der ihr einige Rätsel aufgibt, denn ihn und Ellies Vater verbindet ein Geheimnis, das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Als Ellie begreift, dass ihre Träume die Lösung beinhalten, ist es fast schon zu spät …

Die Spannung hat sich sehr schleichend aufgebaut. Die ersten 200 Seiten sind meiner Meinung nach etwas zäh und noch nicht wirklich fesselnd. Erst als Ellie die Wahrheit über ihren Vater erfährt, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Auch die Geschichte Colins hat mich gezwungen, weiterzulesen.

Ein wenig klischeehaft fand ich den ursprünglichen Namen von Ellies Vater Leopold, nämlich Fürchtegott. Solche Namen finden sich sonst nur im Genre der High Fantasy, also z.B. Herr der Ringe. Es hat die Geschichte, wie ich finde, ins Lächerliche gezogen.

Eindeutig zu ausführlich waren die Pferde-Szenarien beschrieben. Jede Bewegung von Louis und die Wirkung auf Ellie – das war zu viel. Auch die Karateszenen waren entweder etwas undurchsichtig und schwer vorstellbar für Leien oder zu langatmig. Zwar mag es ein, dass die Autorin zugleich Pferde- und Katzen- und Karatefanatikerin ist und somit auch Colin dazu verdammt hat, doch der durchschnittliche Leser ist es eher nicht.

Allerdings beginnt die Geschichte, wie so viele andere, mit einem Umzug. Vom großstädtischen Köln ins verdüsterte Kaulenfeld nahe Rieddorf im Westerwald. Natürlich konnte ich nachvollziehen, dass Ellie nicht gerade begeistert war, ihre Heimat zu verlassen. Dort hatte sie sich auch erst eingewöhnen müssen. Nun ist sie wieder die Neuen. Sie geht den Nachbarn aus dem Weg und lässt auch sonst niemanden an sich heran. Auch in der Schule geht sie allen aus dem Weg und wirkt auf ihre Mitschüler schlichtweg eingebildet und hochnäsig. Zunächst dachte ich, Ellie sei Einzelkind, doch dann kam ihr Bruder Paul ins Spiel, über den man jedoch im ersten Band kaum etwas erfährt. Das Geheimnis seines Vaters hält er für ein Hirngespinst. Daher ist er vor Jahren fortgegangen. Der Leser lernt Ellie auch dank der gewählten Ich-Perspektive recht schnell kennen. Dadurch ist die Handlung jedoch auch sehr langatmig. Man erfährt ziemlich spät, worum es im Wesentlichen geht. Und dann ist man auch schon auf der letzten Seite angekommen. Ein eindeutiger Cliffhanger. Um den Fortgang der Geschichte zu erfahren, kommt man um Scherbenmond und wahrscheinlich danach auch dessen Nachfolger nicht herum.

Während Ellie anfangs wie eine 14-Jährige wirkt und zickig und stur durch ihr neues, aufgedrängtes Leben schreitet, entwickelt sie sich dank der innigen Beziehung zu Colin zu einer 17-Jährigen. Die letzten Kapitel haben mir auch begründet, weshalb dieses Buch kein Jugendbuch, sondern nur für junge Erwachsene ab 16 Jahren geeignet ist.

„Löffelchenstellung“, raunte er spöttisch. Ich lief rot an. „Gefährliche Schlüsselreize“, flüsterte er schmunzelnd hinzu und klatschte mir mit der flachen Hand auf den Hintern.

Abgesehen von solchen Szenen finden sich gegen Ende des Buches auch brutal beschriebene und blutige Szenen.

Warmes rotes Blut spritzte mir ins Gesicht und in meinen vor Schrecken weit geöffneten Mund. Ich spuckte würgend aus.

Colin drehte den Eber auf den Rücken, riss mit einer einzigen Bewegung seinen Bauch auf und stach seine Fingernägel in die Halsschlagader, während dampfendes Gedärm auf den Waldboden glitschte. Ohne eine Miene zu verziehen, hielt er erst seinen Oberkörper in den Strahl des Blutes, dann sein Gesicht.

Colin griff in den klaffenden Bauch des Keilers und holte das noch schwach zuckende Herz heraus; mit der anderen Hand angelte er sich wahllos Gewebe und Gedärme

Besonders den Kampf zum Schluss fand ich in der Art der Beschreibungen sehr abstoßend und ekelerregend. Andererseits war das eine nette Abwechslung. Dank Ellies kindischer Art zu Beginn des Romans war ich auf ein typisches Buch über ein heulendes, zickiges Mädchen, das gerne reitet eingestellt, doch diese Vorahnung hat sich dadurch und durch die anderen erwachsenen Szenen zum Glück widerlegt.

Im Gegensatz zu Bis(s) zum Morgengrauen entwickelt sich die Liebe zwischen Colin und Ellie sehr langsam und schleichend, Erst im letzten Drittel des Buches nimmt sie ihren Lauf.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – Achtung: Spoiler – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Die Idee mit den Nachtmahren gefiel mir. Der Grund, weshalb wir nachts träumen ist noch ungeklärt und für mich vollkommen unerklärlich. Viele Textpassagen waren mir etwas zuwider. So auch die Stelle, bei der Maike Ellie mit einem angespuckten Taschentuch den Mund abwischt, und die, bei der Colin Ellie ihre Tränen aus dem Gesicht wegisst. Nicht zu schweigen von den brutalen Blutszenen. Am interessantesten von den Charakteren schien mir der weibliche Nachtmahr Tessa zu sein. Im Grunde ist sie Colins zweite Mutter, oder auch einfach nur seine Schöpferin. Als sie dann mit Ellie zusammentraf, wusste ich nicht, was sie für ein Typ ist. Sie hat nicht gesprochen und auch sonst nicht viel durch ihre Handlungen von sich preisgegeben. Ich war schon enttäuscht, dass Frau Belitz ihre Leser noch im Dunkeln lässt. Vielleicht steht im zweiten Band, der noch ungelesen in meinem Regal ruht mehr über Tessa. Allein von der Gestalt her, die Ellie beschrieben hat, habe ich mir eine kleine zierliche rothaarige Gestalt, die eher wie ein junges Mädchen aussieht vorgestellt. Dieser Kontrast, dass sie klein und mädchenhaft ist, aber Colins Mutter und schon sehr alt, hat mich verwirrt. Ich konnte sie mir nur von den Klamotten und Haaren her vorstellen. Natürlich habe ich mich auch gefragt, warum sie immer als scher von Begriff oder einfältig beschrieben wurde. Sie hat Ellie erst ignoriert oder nicht gesehen und sich dann auf Tillmann gestürzt. Wenn sie doch so stark ist, weshalb hat sie Ellie nicht getötet oder zumindest aus dem Weg geräumt und mit Tillmann gemacht, was immer sie auch vorhatte. Auch schien sie im Vergleich zum großen, starken Colin hilflos, wenn nicht sogar schutzlos zu sein. Sie lag so oft am Boden.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Schreibstil

Der Roman ist einerseits sehr spannend, tiefgründig und ausgeschmückt geschrieben, andererseits jedoch auch sehr humorvoll, was ihn zu einem der besten Bücher macht, das ich bisher gelesen habe. Leider gibt es ellenlange Beschreibungen und lahme Gedankenpassage, die mich beinahe in den Tiefschlaf katapultiert haben.

Charaktere

Mit der Protagonistin Elisabeth Sturm, auch Ellie oder Elisa genannt, konnte ich mich ganz gut identifizieren, da sie ein ganz normaler Teenager ist. Etwas schade fand ich, dass sie absolut keine Probleme mit ihrem Abitur zu haben scheint, was mich doch stutzig gemacht hat, da sie doch sonst eine eher ängstliche Persönlichkeit ist. Außerdem schläft sie andauernd oder beginnt zu heulen, was auf Dauer schon etwas anstrengend war. Ersteres hat zwar auch mit Colin und ihrem Vater zu tun, doch war es sehr seltsam, dass sie beinahe nach jedem einzelnen Kapitel einnickt.

„Du hast die Sturheit einer Fünfjährigen, den Körper einer Fünfzehnjährigen und den Geist einer mindestens Dreizigjährigen.“ – Colin

Leider hat die Protagonistin Ellie einen absonderlichen Geschmack in Sachen Jungs bzw. Männer. Der 20-jährige Colin ist ein tanzender Pferdefanatiker mit bizarrem Aussehen und er ist überhaupt nicht mein Typ, jedenfalls beim Reiten und Karate praktizieren. Beim achtstündigen Besuch Ellies war er endlich mal annähernd anziehend. Auch stört mich sein vollständiger Name: Colin Jeremiah Blackburn. Colin ist in Ordnung, Blackburn sorgt für das englisches Flair; aber Jeremiah ist scheußlich, jedenfalls in diesem Fall. Niemals würde ich diesen Namen in Kombination mit Colin und Blackburn verwenden.

„Colin …“, flehte ich hilflos. „Was in Gottes Namen bist du?“ Er dachte nach, bevor er antwortete, und schlug die Augen nieder. Ich hielt den Atem an.

Colin wohnt in einem alten Forsthaus und schottet sich von der Außenwelt ab. Das einzige, das ihm geblieben ist, sind die Pferde. Auch spricht er neben Gälisch circa neun weitere Sprachen.

„Ich vertraue dir, Colin“, sagte ich ernst und schaute ihm direkt in seine nachtschwarzen Augen.

Cover

Das Cover ist derart kunstvoll und trotzdem schlicht gestaltet, das es mich zu dem Kauf überhaupt erst bewegt hat. Leider zieht ein so buntes Cover höchstwahrschienlich auch Mädchen unter Zwölf Jahren in seinen Bann, obwohl ein weit höheres Alter vorrausgesetzt wird.

Das links abgebildete Cover gehört zu der Klappenbroschur des Club Bertelsmanns. Erscheinungstermin ist der 24. Mai 2011.

Titel

Der gewählte Titel  Splitterherz klingt gut und ist leicht einzuprägen. Auch sonst sagen mir Ein-Wort-Titel eher zu als ganze Sätze. Die Titelwahl soll wohl beim ersten Teil der Trilogie einfach gefunden worden sein. Beim zweiten Band, Scherbenmond, soll es schon schwieriger gewesen sein. Der Titel des dritten Bandes ist noch nicht bekannt gegeben worden.

Ich kann Splitterherz jedem empfehlen. Zwar haben die Charaktere ihre Eigenarten und der Handlungsverlauf kommt nur schleppend voran, doch das macht diesen Roman aus. Zugesagt hat mir auch, dass keine Vampire, sondern andere Wesen eine Hauptrolle einnahmen.

Plot: 5/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 5/5
Spannung: 5/5
Titel: 5/5
Cover: 5/5
Ende: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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§ 8 Antworten auf [Rezension] Splitterherz von Bettina Belitz

  • Leselurch sagt:

    Tolle Rezensionen schreibst du! Ich werd deinen Blog mal im Auge behalten ;)
    Aber als kleine Anmerkung zu deiner Kategorie „Fehler“: „hie und da“ ist kein Fehlerchen, man kann es ruhig so sagen. „Hie“ ist einfach eine ältere Version vom heutigen „hier“, die durchaus noch genutzt wird.

  • Libby sagt:

    Vielen Dank. Das kann ich nur zurückgeben! :)
    Das mit hie wusste ich nicht. Gut zu wissen. Dann werde ich diese Anmerkung wohl lieber streichen. *Ups*

  • Katharina sagt:

    Gute Rezension! ;;)
    Ich warte noch auf den dritten Band. Der zweite hat mich leider nicht so überzeugt.

  • […] Splitterherz habe ich schon gelesen, Scherbenmond steht leider noch ungelesen in meinem Regal. […]

  • […] morgen, am 24. Mai 2011 wird eine neue Splitterherz-Ausgabe beim Club Bertelsmann erscheinen. Für diese Klappenbroschur wurde das Cover neu designt. […]

  • Charlousie sagt:

    Das Zitat, das du ausgewählt hast, hat mir gut gefallen, hat mich gleich wieder erinnert, wie toll ich dieses Werk fand. Die Ausgabe von Bertelsmann finde ich o.k, doch die originale ist besser! ;)
    Elli hat mich am Anfang des Buches auch sehr gestört und ich habe mich durch die ersten 100 Seiten wirklich sehr, sehr, seeeeeeeeeeeehr durchkämpfen müssen. Hat sich aber gelohnt, denn dann wurde es fantastisch!
    :D

  • Libby sagt:

    Wären die ersten Seiten etwas kürzer gefasst, hätte ich das Buch bestimmt schneller gelesen! Schade :)
    Ich finde, der Verlag hätte das Originalcover auch für die Klappenbroschur weiterverwenden können. Viele haben ja auf eine TB-Ausgabe gewartet. Tja, für mich kommt sie zu spät. Die Bücher sind so groß und schwer, dass man die nicht einfach mal so in die Handtasche stecken und mitnehmen kann…
    VG,
    Libby

  • […] Splitterherz fand ich wirklich toll, also musste auch der zweite Band zu mir finden. Zwar brauche ich immer recht lange um die Bücher zu lesen, immerhin über 600 Seiten und der dritte Band steht auch schon in den Startlöchern, doch diese Geschichte brauche ich einfach. […]

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