[Rezension] Crazy von Benjamin Lebert

26. März 2011 § Ein Kommentar

Originaltitel: Crazy
Autor: Benjamin Lebert
Verlag: cbt
Originalverlag: Goldmann
Genre: Jugendroman
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 176
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2009
Preis: Taschenbuch 6,50 €

>> Leseprobe <<

Klappentext

»Hallo Leute. Ich heiße Benjamin Lebert, bin sechzehn Jahre alt, und ich bin ein Krüppel. Nur damit ihr es wisst. Ich dachte, es wäre von beiderseitigem Interesse.« Mit diesen Worten stellt sich Benjamin Lebert an seinem ersten Schultag seinen neuen Mitschülern vor. Es ist sein fünfter Schulwechsel. Diesmal soll er endlich die 8. Klasse bestehen. Gemeinsam mit seinen Freunden übersteht Benjamin die Zeit im Internat. Bei allen Unternehmungen beschäftigt sie die Frage, worum es in dieser ganzen Veranstaltung namens Leben eigentlich geht …

Leitmotive

Sexualität, Freundschaft, Liebe, Internat, Behinderung

Location

Neuseelen (München, Deutschland)

Zeitrahmen

1998 – 1999

Plot

Zu Beginn des authobiografischen Romans hat der halbseitig gelähmte Benjamin Lebert, der Protagonist und Autor zugleich, schwierigkeiten in seiner neuen Schule Anschluss zu finden. Aufgrund seiner Noten im mangelhaften Bereich war er gezwungen, einen Schulwechsel vorzunehmen. So landete er in einem Internat.In sienem neuen Mitbewohner Janosch Schwarze und seiner Clique findet er nach anfänglichen Mobbingattacken einen Freund. Zusammen bewältigen sie den Schullltag und sprechen über Gott und die Welt. Vor allem Sex, das Erwachsenwerden und Benjamins Behinderung nehmen einen Großteil der Thematik ein.

Die Romanhandlung ist meiner Meinung nach nicht besonders interessant oder spannend, da sich zum beispiel ein ganzes Kapitel mit dem Hochklettern einer Feuerleiter befasst. Sogar der Ausbruch aus dem Internatsgebäude hat mich empfand ich keineswegs als spektakulär oder lesenswert.

Schreibstil

Der Autor verwendet einen sehr simplen Schreibstil und verzichtet auf komplexe Satzgefüge, was jedoch bewirkt, dass jedes Kapitel eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen, bestehend aus maximal fünf Satzgliedern, ist. Dadurch zeigt sich die ungenügende Deutschzensur, die Herr Lebert in seinem Roman mehrfach erwähnt. Dieser Schreibstil mag gewollt oder nicht anders gekonnt sein, überschreitet aber kaum das Niveau eines Grundschülers. Ich frage mich, wie viele Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler das ihm zugewiesene Lektorat beheben musste…

Der Autor hat umgangssprachlich orientiert geschrieben und verzichtet ganz auf intellektuelle Begrifflichkeiten. Dieser Schreibstil ist in Anbetracht der Einfältigkeit Benjamins Freunden gut gewählt.

Die Klasse 8B ist nicht groß: zwölf Schüler. Mich eingeschlossen. In den staatlichen Schulen sieht das anders aus. Da sind es immer um die fünfunddreißig. Aber die müssen schließlich auch nicht zahlen. Hier zahlen wir. Und zwar bis es kracht.

Wir sitzen, wie eine große Familie, in Hufeisenform vor dem Lehrer. Wir halten uns beinahe bei den Händen, so sehr lieben wir uns. Internat eben. Eine Gruppe, eine Freundschaft, eine Familie.

Zudem tauchen in dem Roman viele Wiederholungen auf, die auf Dauer nicht mehr nur als Stilmittel benannt werden können. Dies sollte auf den minimalen Wortschatz zurückzuführen sein. Abwechslungsreiche Satzanfänge sind hier vergeblich zu suchen.

„Mit sechzehn sollte man eigentlich schon gelernt haben, ein Geodreieck zu halten“, stellt Mathelehrer Rolf Falkenstein fest. Er gibt es mir zurück, ohne mir beim Zeichnen des Kongruenzsatzbeweises geholfen zu haben. Pech gehabt. Hier sitze ich also an meinem ersten Schultag. Ich schüttle den Kopf.

Dabei hatte eigentlich doch alles recht gut angefangen. Die ersten Stunden, Französisch und Englisch, waren gut gelaufen, ich hatte die so berühmte Vorstellungsarie, die ich so hasse, hinter mich gebracht. Es war die übliche Sache. Vor die Klasse treten, nicht wissen, wohin mit den Händen, und sagen: Hallo Leute. Ich heiße Benjamin Lebert, bin sechzehn Jahre alt, und ich bin ein Krüppel. Nur damit ihr es wißt. Ich dachte, es wäre von beiderseitigem Interesse.

Charaktere

Der 16-jährige Protagonist Benjamin Lebert musste aufgrund seiner schlechten Zensuren auf ein Internat wechseln. Dort freundet er sich nach einigen Auseinandersetzungen mit Janosch und seiner Clique an.

Janosch Alexander Schwarze ist Benjamins Zimmergenosse. Janosch ist der Anführer der Clique und schwärmt für Malen Sabel, eine Schülerin des Internats.

Troy, der dicke Felix, der dünne Felix und der kleine Florian, den alle nur Mädchen nennen, gehören auch zu Benjamins Schulfreunden.

Zwar ist Benjamin auch in Malen verliebt, erlebt jedoch mit Marie Hangerl sein erstes Mal.

In den Gesprächen der Jungs geht es oft um Mädchen, die auch zu genüge mit abwertenden Begriffen in Zusammenhang gebracht werden. Daher kann ich den Roman weiblichen Lesern nicht empfehlen. Drogen und Sexualität sind zwei weitere Aspekte der Thematik.

Am authentischsten ist Benjamins Behinderung dargestellt. Man kann sich einigermaßen in ihn hineinversetzen und seine Gefühle bezüglich seiner Lähmung nachvollziehen. Der Leser erhält einen soliden Einblick in die Einschränkungen, die diese Art Behinderung zur Folge zieht.

Weitere Charaktere

Katharina Westphalen (Sexualpädagogin), Angelika Lerch (Sekretärin), Jörg Richter (Internatsleiter), Lukas Landorf (Erzieher), Marek Sambraus (fremder, alter Mann)

Meiner Meinung nach ist das Buch nicht für jedermann geeignet. Nicht jedem sagt der Schreibstil zu, außerdem gibt es Autoren, die die schwierigen Thematiken besser vermitteln können. Abschließend ist zu sagen, dass die authentische Beschreibung Benjamins Behinderung  leider nicht von den mangelnden Satzgefügen und der simplen Ausdrucksweise ablenkt.

Obwohl mir das Buch absolut nicht zugesagt hat, ist es seitens des Autors sehr mutig, seine Erlebnisse derart in einem Roman zu schildern und sich trotz der Schwächen im Fach Deutsch zu trauen, einen Roman zu schreiben. Trotzdem tut mir jeder, der dieses Buch nicht freiwillig, sondern als Schullektüre lesen musste (mich eingeschlossen) sehr leid. Mit dieser Rezension will ich niemandem vom Kauf dieses Buches abhalten. Für mich war es reine Zeitverschwendung, für andere könnte dies möglicherweise ein literarisches Meisterwerk sein. Vielleicht kann ich mich einfach mit keinem der Charaktere identifizieren.

Plot: 2/5
Charaktere: 1/5
Schreibstil: 0/5
Spannung: 1/5
Titel: 1/5
Cover: 2/5
Ende: 2/5
Preis/Leistung: 3/5

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§ Eine Antwort auf [Rezension] Crazy von Benjamin Lebert

  • Buchnixe sagt:

    Ich habe das Buch gelesen, denke aber auch, dass es eher für Jungen im Alter von 14 bis 20 ist. Für mich war es überhaupt nichts… !

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