[Rezension] Der Gesang der Orcas von Antje Babendererde

18. März 2011 § 3 Kommentare

Titel: Der Gesang der Orcas
Autorin: Antje Babendererde
Sprecherin: Carla Swiderski
Verlag: Usm
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Dauer: 2:28:00 Stunden (gekürzte Fassung)
Preis: 10,95 €

>> Hörprobe <<

Klappentext

Sofie ist tief beeindruckt von den majestätischen Orcas vor der Küste Nordamerikas. Der junge Makah-Indianer Javid fährt mit ihr allein auf das Meer hinaus, um die Wale ganz nah zu sehen. Hier kann sie zum ersten Mal die Trauer um ihre Mutter vergessen. Doch dann kommt ein Sturm … Was sie gemeinsam erleben, verbindet die Deutsche und den Indianerjungen, auch wenn sie ganz unterschiedlich aufgewachsen sind.

Leitmotive

Liebe, Tod, Trauer, Verlust, Indianer

Kaufgrund

Nein, der Titel hat mich kein bisschen Angesprochen, auch das Cover hat mein Interesse nicht geweckt. Nicht einmal als ich den Klappentext las, war ich begeistert. Erst als ich die ersten Worte und Sätze hinter mir hatte, wollte ich wissen, wie es weitergeht. Der Friedhof, der verlorene Kampf gegen den Krebs von Sofies Mutter und die Atmosphäre. Zwar ist dies keine Geschichte, die mich bis tief in die Nacht wachhält, doch denke ich, ist es eine willkommene Abwechslung zu den Vampir- und anderen Fantasy-Romanen. Realistisch, aber trotzdem emotional.

Ich bin erstaunt darüber, dass ich diesem Buch bzw. Hörbuch nie wirklich Beachtung geschenkt habe, weil kein Hype darum gemacht wurde, das Cover keine künstlerische Meisterleistung ist und die Geschichte nicht spannend genug ist. Auch habe ich mich nie für den Indianerkult interessiert.

Wahrscheinlich brauchte ich tatsächlich nur etwas Abwechslung zu den Fantasy- und Science-Fiction-Romanen und damit mehr Bezug zur Realität, aber ich bin froh, dass ich dadurch auf dieses Buch bzw. Hörbuch gestoßen bin. Die Stimme, die Sophie dargestellt hat, war sehr angenehm anzuhören.

Plot

In die Handlung darf man als Fantasy-Fan mit Vorliebe für facettenreiche und einzigartige Geschichten keine großen Erwartungen setzen. Der Gesang der Orcas ist kein Harry-Potter-Band. Es geht um die alltäglichen Probleme eines Teenagers. Hinzu kommt, dass die Protagonistin Sophie unter dem Verlust ihrer Mutter leidet und ihr Vater die Überfürsorglichkeit in Person ist.

Als sie Javid kennenlernt und Zeit mit ihm verbringt, verliebt sie sich allmählich in ihn. Leider konnte ich ihre Gefühle nicht nachvollziehen, weil mir Javid ehrlich gesagt nicht sympathisch war. Er hat mich an ihren Vater erinnert.

Erzählperspektive

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der 15-jährigen Sofie.

Charaktere

Sofie Tanner

Protagonistin ist die Ich-Erzählerin Sofie Tanner. Erst vor kurzem ist ihre Mutter an Krebs gestorben. Sofie und ihr Vater, ein Fotograf, versuchen das zu verkraften. Doch dann brechen sie nach La Push auf, da Sofies Vater dort ein paar Fotos schießen soll.

Mein größtes Problem war meine Traurigkeit. Das zweitgrößte war ich selbst: Sofie Tanner, fünfzehn Jahre alt, rothaarig und sommersprossig, von den meisten meiner Klasse für merkwürdig und eigenbrötlerisch gehalten.

Sofies Vater

An Sofies Vater hat mich gestört, dass er sich von Anfang an so gegen Javid sträubt. Auch ist er entsetzt darüber, dass Sofie möglicherweise in ihn verliebt sein könnte. Als Sofie sich damit verteidigt, dass Javid nur ein Jahr älter ist, hält ihr Vater damit dagegen, dass er groß und muskulös wäre und genau wüsste, was er wollte. Für mich kein akzeptables Gegenargument. Die Diskussion setzt sich trotzdem fort, indem er auch noch wissen will, ob sie sich näher gekommen sind als erwünscht.

Insgesamt warnt Sofies Vater seine Tochter ständig vor Javid und widersetzt sich ihrer Beziehung. In den Dialogen kommen Aussagen vor wie:

Er stammt aus einer fremden Kultur und denkt ganz anders als wir. Das macht dich doppelt verwundbar. Ich will nicht, dass du schmerzliche Erfahrungen machst.

Ich will immer wissen, wo du bist.

Sei vorsichtig. Tue nichts unüberlegtes.

Diese haben mich leicht verwundert und zugleich verärgert. Er ist zu streng und fremden Kulturen gegenüber feindlich. Er hat so gut wie kein Verständnis für nichts, was Sofie und Javid betrifft. Sofies Mutter hätte ihre Tochter verstanden, so Sofie.

Oft lässt sich aus den Gedanken Sofies schließen, dass sie mit ihrer Figur unzufrieden ist. Sie hält sich für zu mager, isst aber auch nicht gerade in Massen.

Ich wusste selbst, dass ich aussah, als wäre ich magersüchtig. Aber das stimmte nicht; ich aß und blieb trotzdem dünn.

Dass ich so mager war, gefiel mir selbst nicht. Und ich hätte es gerne geändert.

Doch Sofie gibt auch zu, dass sie erst seit einem halben Jahr, also dem Tod ihrer Mutter, so abgenommen hat.

Javid

Javid ist ein Makah-Indianer und ist der Sohn des Besitzers des Hotels, in dem Sofie und ihr Vater vorübergehend eingezogen sind. Javid ist außerdem der erste Junge, den Sofie küsst. Das merkt Javid sofort. Auch ist er ein sehr aufmerksamer Mensch. Er begreift schnell. Andererseits hat er nichts gegen die Jagd auf Wale und verteidigt sein Handeln. Wieso gibt er den Walen Namen, wenn er sie doch nur töten und essen möchte? Auch Sofie denkt zuerst, ihm liege etwas an den Walen. Er vergleicht sie mit anderen Arten Fleisch. Doch für mich ist die Diskussion um Walfang unnötig, da viele Walarten vom Aussterben bedroht sind.

Er war einen Kopf größer als ich, gerade gewachsen und mit ernst zu nehmenden Muskeln unter der dunklen Haut.

Javid arbeitet mittwochs bei der Müllabfuhr. Zudem nennt er Sofie aufgrund ihres kupferroten Haares Copper, was sie aber aus Erfahrung erst als Beleidigung empfindet. Javid hat einen Freund namens Tyler, der weiße Mädchen öde findet. Diese Aussage macht Sophie natürlich sauer.

Manchmal ist Javid auch sehr aufdringlich. Beim Schwimmen im Fluss drückt er Sophie gegen das Ufer und fragt, ob der denn keinen Kuss kriege.

Leider muss ich sagen, dass mir Javid im Laufe der Handlung immer seltsamer vorkam. Er glaubt an Traditionen und Mythen, als wären sie real. Er ist leichtgläubig, hat aber andauernd etwas auszusetzen. So kommt es mir jedenfalls vor. Er findet es nicht gut, dass Sofie so dünn ist und er hat etwas daran auszusetzen, dass sie sich nicht einfach traut vor ihm, den sie doch erst ein paar Tage kennt, zu weinen, wenn ihre Mutter zur Sprache kommt.

Der Gesang der Orcas ist ein (Hör-)Buch für regnerische Sommertage. Für mich war es eine willkommene Abwechslung zu den Fantasy-Romanen, die ich üblicherweise lese. Zwar ergibt sich keine Spannung, doch kann man mit Sophie mitfühlen und sich über ihren Vater ärgern…

Manchmal habe ich die Indianer-Mythen und -Traditionen nicht nachvollziehen können. So sagt Javid zu Sofie:

Sisiotl (Name undeutlich gesprochen) hat dich mit Magie gesegnet, deshalb hast du Oset (Name vermutlich falsch geschrieben) gesehen.

Außerdem sagte er, Sophie sei die Kupferfrau. Für mich nicht wirklich relevant. Als Sofie hätte ich Javid für einen Spinner gehalten…

Zum Glück bin ich an das Hörbuch geraten. Das Buch hätte ich beim kleinsten Anflug von Langeweile schon aus den Händen gelegt. Ich denke, dass dieses (Hör-)Buch besonders für Fantasy-Gegner geeignet ist; allen anderen würde ich es trotzdem als wunderbare Abwechslung empfehlen.

Plot: 2/5
Charaktere: 2/5
Sprecherin: 3/5
Spannung: 0/5
Musikeffekte: 0/5
Titel: 1/5
Cover: 1/5
Ende: 1/5
Preis/Leistung: 2/5
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§ 3 Antworten auf [Rezension] Der Gesang der Orcas von Antje Babendererde

  • Vera sagt:

    Das Hörbuch finde ich auch in ordnung. das buch würde ich wahrscheinlich auch nicht lesen!
    ;)

  • Buchnixe sagt:

    Solche Bücher sind so endlos öde.
    Schrecklich!! ;)

  • Anonymous sagt:

    Ich finde,dass Sie sich in Javid und in dem Vater von Sofie (Frank) sehr getäuscht haben.
    Meiner Meinung nach, ist Javid nicht aufdringlich oder fordert zu viel von Sofie.
    Er ist nur verliebt. Javid zeigt seine Gefühle und steht auch meistens dazu.
    Bei dem Vater von Sophie kann ich alle Gefühle nachvollziehen. Er ist ein einsamer Vater, der gerade erst seine Frau verloren hat und nun Gefahr läuft auch noch das Einzige, was er besitzt auch noch zu verlieren. Ich denke, dass er sich ganz normale Sorgen um sein Kind macht.

    LG
    interessierte Leserin ;-)

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