[Rezension] Die Wahrheit über Alice von Rebecca James

7. März 2011 § 6 Kommentare

 

Originaltitel: Beautiful Malice
Titel: Die Wahrheit über Alice
Autorin: Rebecca James
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Verlag: Wunderlich
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 320
Erscheinungsdatum: 2010
Preis: Hardcover: 16,95 €

>> Leseprobe <<

Klappentext

Ein dunkles Geheimnis.

Ein zerstörtes Leben.

Eine neue Freundin, die dir hilft zu vergessen.

Aber was, wenn sie nicht ist, was sie zu sein scheint?

Trailer

Leitmotive

Freundschaft, Tod, Liebe, Schwangerschaft, Verbrechen

Location

Sydney (Australien)

Plot

Im Leben der 17-jährige Katherine Boydell gab es einen schrecklichen Vorfall. Rachel, ihre jüngere Schwester ist nun tot. Um zu vergessen, sind sie und ihre Eltern nach Sydney umgezogen. Niemand sollte sie mit ihrer Vergangenheit in Verbindung bringen. Katie Boydell gibt es seitdem nicht mehr. Als die beliebte Blondine Alice Katherine jedoch zu ihrem Geburtstag einlädt, kann Katherine das kaum glauben. Widerstrebend stimmt Katherine zu, da es Alice wirklich am Herzen zu liegen scheint. Schnell entsteht daraus eine Freundschaft, so glaubt Katherine. Doch Alice ist nicht ohne Hintergedanke ihre Freundin geworden.

Hast du Lust zu kommen?» Alice Parrie lächelt zu mir herunter. Es ist Mittagspause, ich sitze unter einem Baum, allein, und lese ein Buch.«Hä?» Ich schirme die Augen ab und sehe hoch. «Wohin kommen?»Alice reicht mir ein Blatt Papier.Ich nehme es und werfe einen Blick darauf. Es ist die knallbunte Fotokopie einer Einladung zu Alice’ 18. Geburtstag. Kommt alle!! Bringt eure Freunde mit!! steht da. Sekt gratis! Essen gratis! Nur jemand, der so beliebt und selbstbewusst ist wie Alice Parrie, kann eine derartige Einladung verteilen. Jeder Normalsterbliche würde wirken, als bettelte er um Gäste. Wieso ich?, frage ich mich. Ich kenne Alice, jeder kennt sie, aber ich habe bisher noch nie ein Wort mit ihr gewechselt. Sie ist etwas Besonderes – schön, beliebt, unübersehbar.

An ihrer neuen Schule hat sich Katherine immer im Hintergrund gehalten, denn sie will bloß keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Früher ging sie gerne auf Partys und war ein ausgelassener, manchmal auch unvernünftiger Teenager. Rachel dagegen war eine begabte Pianistin. Katherine stand meist in Rachels Schatten und hatte auch nicht so gute Noten wie ihre Schwester.

Nach einem gemeinsamen Urlaub mit Alice und einem Freund, der Gefühle für Alice hegt, lernt Katherine eines Abends Philippa und bei einem Treffen mit dieser ihren Bruder Mick kennen. Katherine beginnt sich von Alice zu distanzieren, je mehr diese ihren Launen freien Lauf lässt. Auch Katherine ungewollt schwanger, was sie und den Vater des ungeborenen Kindes noch mehr zusammenschweißt. (Ich wollte übrigens die ganze Zeit wissen, wer der Vater ist, und legte das Buch auch aus dem Grund nur ungern aus den Händen.) Erst später erfährt Katherine die ganze Wahrheit über Alice.

Ein toller Werbetext, der mich direkt zum Kauf des Buches gezwungen hat, was nicht negativ gemeint ist. Während des Lesens habe ich die ganze Zeit gehofft: Bitte, lass Alice kein Alkoholproblem haben. Denn das hätte mich maßlos enttäuscht. Zum Glück war dem nicht so. Die Zusammenhänge zwischen den beiden Mädchen habe ich sehr wohl als durchdacht empfunden.

Ich war nicht auf Alice’ Beerdigung. Ich war damals schwanger. Wahnsinnig und rasend vor Trauer. Aber ich trauerte nicht um Alice. Nein. Da hasste ich Alice schon und war froh, dass sie tot war. Denn Alice hatte mir das angetan, Alice hatte mein Leben zerstört, mir das Beste genommen, was ich je hatte, und es in Millionen Scherben zerschlagen. Ich weinte nicht um Alice, sondern wegen Alice.

Verwundert war ich, als ich in der Leseprobe den Anfang las und direkt von Alice‘ Beerdigung gesprochen wurde. Vielleicht wäre es noch spannender gewesen, dies am Ende zu sagen, vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls haben sich dadurch die Fragen in meinen Kopf geschlichen: Wieso ist Alice tot? Hat Katherine sie ermordet?

In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dass das Buch mit unnötigen Handlungen, also Lückenfüllern, nur so durchzogen ist. Meiner Meinung nach ist dem nicht so. Katherine ist keine Fantasyfigur. Es kann nicht immer nur actionreiche Szenen geben. Es geht doch darum, die Charaktere kennen zu lernen und damit auch die Wahrheit über die Nacht, in der Rachel starb, und die über Alice nach und nach herauszufinden. Das ist der Sinn sowohl von Thrillern als auch von Krimis. Natürlich kann man auch direkt im Prolog schreiben, wer der Mörder ist. So spart man sich das Lesen. Doch wer würde das Buch dann noch lesen wollen? Was wäre, wenn das Buch damit beginnen würde:

Die Wahrheit über Alice ist… Und Rachel starb, weil…

– – – – – – – – – – – – – – – – – – Achtung: Spoiler – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Wie schon gesagt, habe ich gehofft, dass die Wahrheit über Alice nicht ein ausgeprägtes Alkoholproblem ist. Ein Glück, dass dem nicht so war. Alice als gestörte Stalkerin zu sehen, fiel mir anfangs schwer. Es wurde nicht genau genug beschrieben, was ihr Problem ist. Klar, Katherine hat ihren Bruder ins Gefängnis gebracht, da dieser seinem gewalttätigen Freund geholfen hat, Rachel zu vergewaltigen.

Schleierhaft war mir auch der Tod Rachels. Ist sie an Drogen gestorben, die ihr von den drei Vergewaltigern verabreicht worden sind? Haben sie sie erwürgt oder erstochen? Auf diese Frage habe ich keine Antwort bekommen.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Gliederung

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Außerdem gibt es zwei Handlungsstränge, die abwechselnd gelesen werden. Die Gegenwart (Katherine und Alice), im Präsens geschrieben, und die Vergangenheit (die Nacht, in der Rachel ermordet wurde), im Präteritum geschrieben. Auch gibt es Passagen, die in der Du-Perspektive geschrieben sind, was den Leser noch intensiver in die Handlung einbezieht.

Charaktere

Katherine Boydell

Katherine Boydell, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, war früher ein ganz normaler Teenager, der auf Partys gegangen ist und auch das eine oder andere Mal undurchdacht gehandelt hat. Nach dem Tod ihrer Schwester Rachel, die eine talentierte Pianistin war, ändert sich ihr ganzes Verhalten. Sie beginnt zu lernen und zieht sich mehr und mehr zurück.

Alice Parrie

Alice reicht mir ein Blatt Papier. Ich nehme es und werfe einen Blick darauf. Es ist die knallbunte Fotokopie einer Einladung zu Alice’ 18. Geburtstag. Kommt alle!! Bringt eure Freunde mit!! steht da. Sekt gratis! Essen gratis! Nur jemand, der so beliebt und selbstbewusst ist wie Alice Parrie, kann eine derartige Einladung verteilen. Jeder Normalsterbliche würde wirken, als bettelte er um Gäste. Wieso ich?, frage ich mich. Ich kenne Alice, jeder kennt sie, aber ich habe bisher noch nie ein Wort mit ihr gewechselt. Sie ist etwas Besonderes – schön, beliebt, unübersehbar.

Alice wird am Anfang der Hanldung 18 Jahre alt. Sie ist beliebt und im Gegensatz zu Katherine unübersehbar. Doch im Laufe der Hanldung zeigt sie ihr wahres Gesicht.

Sie, Katherine und Robbie, ein Freund von Alice, der in sie verliebt ist, jedoch nur von ihr ausgenutzt wird, fahren sogar zusammen in Urlaub.

Schreibstil

Das Buch ist sehr einfach und in der Ich-Perspektive geschrieben, weshalb es sich auch recht zügig durchlesen lässt. Viele Textstellen beinhalten zudem umgangssprachliche Phrasen und Ausdrücke. Eigentlich sagen mir ausgeschmücktere Schreibstile mehr zu, doch im Bereich der Thriller ist der Schreibstil durchaus angemessen.

Genre

Das Buch als Thriller zu verkaufen leuchtet mir persönlich nur teilweise ein. Zwar geht es um eine psychisch labile Stalkerin, doch hatte ich einen typischen Thriller anders in Erinnerung. Zudem stößt man auf dieses Buch öfters in Jugendbuchabteilungen, was mich sehr stört. Viele Onlinestores bieten dieses Buch für Jugendliche ab 14 Jahren an. Meiner Meinung nach ist das Buch ab 16 Jahren geeignet. Zum einen werden sehr ernste Themen angesprochen, zum anderen ist Alice oft sehr freizügig und manche Textstellen anstößig.

Titel

Der deutsche Titel sagt mir nicht so zu wie der Originaltitel, welcher lautet: Beautiful Malice. Dies bedeutet soviel wie wunderschöne Bosheit oder Heimtücke. Wem es nicht aufgefallen ist (was ich nicht hoffe): in dem Wort Malice steckt der Name Alice. Ein perfektes Wortspiel. Schade, dass der Titel geändert wurde.

Andere Cover

Dies sind andere Coverversionen. Die ganz links ist die australische und in der Mitter befindet sich die britische. Die amerikanische ist nicht hier abgebildet. Auf ihr ist der halbe Kopf von Katherine vor einer Glasscheibe voller Regentropfen zu sehen. Mir gefällt das ganz links genauso wie das deutsche. Das mittige ist mir persönlich zu einfach gestaltet und das rechts zeigt leider schon die Charaktere, die ich mir lieber eigenständig vorstellen will.

Meiner Meinung nach ist der Roman für jeden ab 16 Jahren lesenswert. Keine Sorge, denn er wird niemandem Albträume bescheren, obwohl es ein Thriller ist. Mit Katherine werden sich die meisten gut identifizieren können. Zudem sind auch langweiligere Kapitel dank des Schreibstils schnell durchgelesen. Die Handlung ist zwar nicht perfekt (die Werbekampagne dafür umso grandioser), aber zu empfehlen ist es trotzdem. Viele Thriller habe ich noch nicht gelesen. Da ich sozusagen ein Genre-Neuling bin, kann ich diesen Thriller nicht mit anderen vergleichen. Doch will ich diesem Roman keine schlechtere Bewertung geben als Stephenie Meyers Debütroman, denn beiden ist es gelungen, mich bis in die späten Abendstunden wach zu halten.

Obwohl die Ausarbeitung und Überarbeitung der Geschichte sicher einige Zeit in Anspruch genommen haben muss, ist das Preis-Leistungs-Verältnis ungenügend. Der Preis von stolzen 16,95 Euro ist in Anbetracht anderer 450-Seiten-Wälzer inklusive Hardcover mit demselben Preis nicht wirklich angebracht. In meinem Bücherregal sieht dieses doch sehr schmale Buch sehr dürr neben den großen Romanen aus.

Plot: 5/5
Charaktere: 5/5
Schreibstil: 4/5
Spannung: 5/5
Titel: 5/5
Cover: 5/5
Ende: 5/5
Preis/Leistung: 4/5
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